Schönbrunn

Den Verstand gebrauchen: Souveräne Zeichen
RESIDENZ

Schönbrunn

Warum fand die "" des Österreichischen Heimatschutzes am 14. Mai 1933 in Schönbrunn statt? Für eine nationalistische Kundgebung dieser Art und Größe käme als Veranstaltungsort in Wien eher der Heldenplatz infrage, der die militärische Erinnerung schon im Namen trägt.  Immerhin wurden in den gehaltenen Reden ausdrücklich die Verdienste Prinz Eugens im Kampf gegen die Osmanen sowie die Schlacht bei im Jahr 1809 hervorgehoben, wo sich österreichische Truppen unter Erzherzog Karl erstmals gegen Napoleons Armee durchgesetzt hatten. 

Damit rühmten , der Bundesführer des Heimatschutzes, und Bundeskanzler Engelbert Dollfuß jene beiden historischen "Helden", die auf dem Platz vor der Wiener Hofburg in Reiterdenkmälern verewigt wurden. Warum also das barocke Schloss mit seinem französischen Garten und nicht der heroische Erinnerungsort im Zentrum der Stadt?

Die scheinbare Antwort liegt im Österreichischen Staatsarchiv. Dort ist nämlich ein Brief erhalten geblieben, mit dem die Bundesführung des Heimatschutzverbandes bei der Schlosshauptmannschaft ansuchte, die für den 14. Mai 1933 geplante "Türkenbefreiungsfeier" in Schönbrunn abhalten zu dürfen. "Da sich für die Masse der zu erwartenden Teilnehmer der Heldenplatz als zu klein erweist", heißt es in dem Schreiben vom 13. April 1933, "bittet die Bundesführung um Überlassung des Parterres vor dem Schönbrunner Schloss (Parkseite), um dieser patriotischen Veranstaltung entsprechenden, würdigen Rahmen geben zu können." 

Zu rechnen sei mit einer Teilnehmerzahl von 20.000 bis 25.000 Heimwehrmännern. Die Schlosshauptmannschaft empfahl daraufhin dem Ministerium für Handel und Verkehr, dem Ansuchen "ausnahmsweise" unter der Bedingung stattzugeben, dass alle Kosten vom Veranstalter übernommen und die Gartenanlagen verlässlich vor Beschädigungen geschützt würden. Ende April erhielt die Bundesführung des Heimatschutzes dann die entsprechende Bewilligung des Ministeriums. 

Grundsätzlich war Schönbrunn seit 1924 für Veranstaltungen gesperrt. Daher musste der Heimatschutzverband bei der Schlosshauptmannschaft bzw. beim zuständigen Ministerium für Handel und Verkehr diese Sondergenehmigung beantragen. Im Jahr zuvor wollte etwa die Wiener Gauleitung der NSDAP eine politische Kundgebung in Schönbrunn abhalten, wurde allerdings auf den Heldenplatz verwiesen. 

Im Fall der "Türkenbefreiungsfeier" vom 14. Mai 1933 kam die Bewilligung vermutlich von ganz oben, denn Starhemberg erwähnt in seinen Memoiren, dass er sie direkt von Dollfuß erwirkt habe. 
Er begründet aber nicht, warum die Kundgebung überhaupt in Schönbrunn stattfinden sollte. Ging es also tatsächlich um die mangelnde Größe des Heldenplatzes? Dieses Argument ist nicht sehr stichhaltig, zumal es dort in der Zwischenkriegszeit Veranstaltungen gab, bei denen weit mehr als 25.000 Personen teilnahmen. Im Rahmen der Trauerfeier für Dollfuß am 8. August 1934 versammelten sich angeblich rund 200.000 Menschen auf dem Heldenplatz und der angrenzenden Ringstraße, 
und als Hitler am 15. März 1938 vom Balkon der Neuen Hofburg aus verkündete, dass Österreich nun zum Deutschen Reich gehörte,  waren laut Schätzungen bis zu 300.000 HörerInnen anwesend. 

Aufgrund dieser Faktenlage können wir über die wahren Motive, warum die "Türkenbefreiungsfeier" am 14. Mai 1933 in Schönbrunn abgehalten wurde, nur spekulieren. Gedanklich lassen sich aber mehrere Beweggründe entwickeln, von denen im Folgenden zwei näher beleuchtet werden: der historische Zusammenhang von "Türkenbefreiung" und Schlossbau sowie die zentralisierte Anordnung von Führern und Truppen im geometrischen Garten. 

Auf dem Schlossareal, das am Wienfluss zwischen den früheren Dörfern und heutigen Stadtbezirken Hietzing im Westen und Meidling im Osten liegt, siedelten sich bereits im Mittelalter Mühlenbetriebe an. 

Das Katterburg genannte Grundstück gehörte zum Besitz des Stifts Klosterneuburg, das es 1569 an Kaiser Maximilian II. verkaufte. Er legte auf dem Gelände ein Jagdgehege an, wo einer seiner Söhne, der spätere Kaiser Matthias, nach einer Legende jenen "schönen Brunnen" fand, der dem habsburgischen Anwesen den Namen gab. Eleonora Gonzaga von Mantua, die Gattin Ferdinands II., ließ das Herrenhaus am Fuß des Jagdgebiets nach dem Tod des Kaisers zu einem Schloss ausbauen, das G.M. Vischer als "Khaiserliche[n] Lust- und Thiergarten Schenbrunn" abbildete.  Der 1672 publizierte Kupferstich zeigt die am Wienfluss gelegene Katterburg, an die sich rechts der zwischen 1640 und 1645 entstandene Gonzaga-Trakt anschloss. Dahinter erstreckte sich über den Schönbrunner Berg der sogenannte Tiergarten, in dessen nördliche Mauer, auf Vischers Stich unten am Fluss zu sehen, Mitte der 1660er Jahre die Kreuzwegstationen eingearbeitet wurden.

Im Sommer 1683, während der Belagerung Wiens durch osmanische Truppen, wurden das Schloss und der Garten von Schönbrunn schwer verwüstet. 

An diesem Zustand änderte sich in den Jahren nach der erfolgreichen Verteidigung der Stadt zunächst nicht viel, da der Wiederaufbau der Hofburg und anderer kaiserlicher Residenzen Vorrang hatte. 1688 präsentierte der aus Graz stammende Bildhauer Johann Bernhard Fischer, der sich in Rom zum Architekten ausgebildet hatte, Leopold I. allerdings einen Entwurf für ein imperiales Schloss, das in Schönbrunn errichtet werden sollte. Mit diesem überdimensionierten Projekt versuchte Fischer vermutlich zweierlei, nämlich erstens seine architektonischen Fähigkeiten vorzuführen und zweitens eine Residenzanlage zu entwerfen, die dem Haus Habsburg angemessen wäre. In dem von Johann Adam Delsenbach angefertigten Stich des Entwurfs, den Fischer 1721 publizierte, führen mehrere Terrassen vom Wienfluss hinauf zum Schloss, das wie entrückt auf der Anhöhe des Schönbrunner Berges platziert ist.  Die Fachliteratur stellt häufig Vergleiche zwischen Fischers Schönbrunn-Projekt von 1688 und dem Schloss Versailles an, das Ludwig XIV. seit den 1660er Jahren in eine Residenz umbauen ließ. 
In Konkurrenz zum französischen König, der sich bekanntlich als Roi-Soleil inszenierte, sollte durch Bezüge auf die antike Architektur und den Sonnengott Apollo betont werden, dass die Habsburger die legitimen Erben der Herrscher des Römischen Reiches waren.

Dieses premier projet für Schönbrunn wurde zwar nie umgesetzt, Fischer wurde aber im folgenden Jahr, 1689, zum Architekturlehrer des Thronfolgers ernannt. 

Für ihn, den späteren Kaiser Joseph I., plante er nun ein realisierbares Jagdschloss, das ab Mitte der 1690er Jahre am Bauplatz der Katterburg errichtet wurde und auch Elemente des ursprünglichen Gebäudes integrierte. Nach einem von Fischer veröffentlichten Stich führte der Weg zum Schloss durch ein Tor mit zwei Obelisken über einen weitläufigen Ehrenhof hin zu einer runden Zufahrtsrampe, von der die Gäste über eine Freitreppe zunächst in eine Säulenhalle und dann in den Festsaal der Beletage gelangen konnten, der auf der gegenüberliegenden Seite den Ausblick in den Garten eröffnete.  In Fischers Grundriss sind die Repräsentations- und Privaträume in einer Enfilade, also entlang einer Achse im rechten, westlichen Flügel aufgereiht (frz. enfiler).  Geplant war anfangs nur der Bau des Mitteltrakts, des 17-achsigen Corps de Logis, das im Frühling 1700 mit einem Fest eröffnet wurde. Um den ganzen Hofstaat unterzubringen, wurde das Schloss auf Anraten Leopolds I. jedoch um die beiden Seitenflügel erweitert. Das heißt, dass Schönbrunn um 1700 von einem Jagd- bzw. Lustschloss zu einer kaiserlichen Residenz aufgewertet wurde. 

Wegen des frühen Todes von Joseph I. im Jahr 1711 blieben diese Bauarbeiten allerdings unvollendet. Erst 1743 entschied Maria Theresia, Schönbrunn nicht nur wiederherstellen, sondern endlich als Sommerresidenz ausbauen zu lassen. 

So wurden unter der Leitung des Architekten Nikolaus Pacassi etwa die Festsäle im Mitteltrakt umstrukturiert und die kaiserlichen Appartements in den Ostflügel verlegt. Anstelle der von Fischer entworfenen Zufahrtsrampe entstanden zwei seitlich geschwungene Freitreppen, die künftig ermöglichten, mit der Kutsche vom Ehrenhof durch das Schloss direkt in den Garten zu fahren.  Mit der Anlage des Schlossparks hatte der kaiserliche Garteningenieur Jean Trehet bereits 1695 begonnen. 
Er hielt sich nur in Grundzügen an Fischers schematischen, noch in der Tradition der Renaissance stehenden Gartenentwurf mit seinen im Quadratraster angelegten Beeten. Stattdessen setzte der aus Paris stammende Trehet einen französischen Barockgarten um, der Parterres und Boskette, also Flachbeete und Heckenräume kombinierte.  Während sich Maria Theresia dann Mitte des 18. Jahrhunderts dem Ausbau des Schlossgebäudes widmete, kümmerte sich ihr Gatte Franz I. Stephan, unterstützt von Fachleuten aus seiner lothringischen Heimat, um die Neugestaltung des Schlossparks. 
Er ließ u.a. das Große Parterre bis zum Schönbrunner Berg verlängern und erweiterte das rechtwinklige Alleensystem durch zwei große Diagonalachsen, die als patte d'oie, d.h. in Form eines Gänsefußes vom Schloss in den Garten ausstrahlen.  1779, ein Jahr vor Maria Theresias Tod, wurde der Großteil des Schönbrunner Schlossparks der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. 

Der Stellenwert der Schlossanlage war in der Folge sowohl von den politischen Umständen als auch von den persönlichen Vorlieben der jeweiligen Herrscher abhängig. Grundsätzlich diente Schönbrunn im 19. Jahrhundert aber als regelmäßige Sommerresidenz der habsburgischen Kaiser. 

Franz Joseph kam 1830 im Schloss zur Welt und verbrachte in seiner Kindheit und Jugend viel Zeit in den Parkanlagen. In seinen Regierungsjahren befanden sich die Wohn- und Arbeitsräume im Westflügel des Gebäudes; seiner Frau Elisabeth wurde im Erdgeschoss ein Privatappartement eingerichtet. Nachdem Franz Joseph I. 1916 in Schönbrunn verstorben war, plante sein Nachfolger, Karl I., einen Umbau des Schlosses, zu dem es aber nicht mehr kommen sollte. Stattdessen übergab der letzte habsburgische Kaiser die Staatsgewalt im Herbst 1918, kurz vor dem offiziellen Ende des Ersten Weltkriegs, an die Vertreter der neugegründeten Republik Deutschösterreich und reiste im folgenden Frühjahr mit seiner Familie in die Schweiz aus.

Alle hofstaatlichen Grundstücke, zu denen auch Schönbrunn gehörte, gingen 1919 per Gesetz in Staatseigentum über. Die seit 1700 bestehende Schlosshauptmannschaft wurde 1921 in eine Dienststelle des Bundesministeriums für Handel und Verkehr umgewandelt. Ungeachtet der Tatsache, dass der Kaiser Schönbrunn verlassen hatte, blieben einige Nebengebäude von den ehemaligen Schlossbediensteten bewohnt. Die weitere Nutzung der früheren Residenzanlage wurde jedoch kontrovers verhandelt. So zogen im Lauf der 1920er Jahre sehr verschiedene Leute, Vereine und Organisationen in Schönbrunn ein und aus (z.B. Kriegsinvalide, die sozialdemokratischen "Kinderfreunde", eine bürgerliche Privatschule, die Pfadfinder sowie eine Jugendherberge). Daneben begann schon kurz nach Kriegsende der Museumsbetrieb in den habsburgischen Privat- und Repräsentationsräumen. Die Besucherzahlen im Schloss waren aber weit niedriger als in der auf 1751 zurückgehenden Menagerie im Park, die 1926 in "Schönbrunner Tiergarten" umbenannt wurde. 

Die "Türkenbefreiungsfeier" am 14. Mai 1933 fand demnach auf einem Grundstück statt, das von 1569 bis 1919, also 350 Jahre lang der Familie Habsburg gehörte und seither vielfältig öffentlich genutzt wurde. Die kaiserliche Residenz, ursprünglich geplant von dem bedeutenden Barock-Architekten Fischer von Erlach, entstand im zeitlichen wie gedanklichen Anschluss an jene "Türkenbefreiung" im September 1683, deren 250. Jubiläum nun vom Österreichischen Heimatschutz (ein paar Monate verfrüht) gefeiert wurde. Bei der Veranstaltung spielte das Schlossgebäude selbst aber nur insofern eine Rolle, als es die Kulisse für die im Park abgehaltene Massenkundgebung darstellte, für die Heimwehrmänner in eigenen "Heimatschutz-Sonderzügen" aus ganz Österreich anreisten. Die Logistik der Feier wurde in Weisungen geregelt, die die Bundesführung des Heimatschutzverbandes kurz vorher herausgegeben hatte. 

Die Broschüre enthielt neben den Zugfahrplänen auch Instruktionen zur Bekleidung (grüne Heimwehrjacke), zur Hygiene (Füße talgen), zur Verpflegung (Kakao und Brot) sowie einige Verhaltensregeln (etwa den Hinweis auf das Rauchverbot während der Feldmesse). Entscheidend waren jedoch die Pläne und Angaben zum "Marsch auf den Aufstellungsplatz", die detailliert klärten, wie die Insassen der 23 Sonderzüge in den Schlosspark und dort auf das Große Parterre, d.h. die Fläche zwischen dem Schloss und dem Schönbrunner Berg marschieren sollten.

Die entsprechenden Karten demonstrieren die Marschlinien von Osten durch die Meidlinger Tore in die Gartenanlage  sowie die Anordnung der Truppen auf dem Platz vor dem Schlossgebäude.  Alle Wege zielen auf die südliche Terrasse des Schlosses, wo der Altar für die Feldmesse und das Rednerpodium aufgestellt wurden. Dieses zentralisierte Arrangement ist kein Zufall, sondern folgt exakt der Architektur des Schlossparks, die den Blick aus jeder Richtung zum Mittelpunkt hinführt, zur kaiserlichen Residenz. Umgekehrt konnte der Kaiser bzw. die Kaiserin vom Festsaal auf die Terrasse hinausgehen und das geschaffene Gartenreich zentral überblicken. Was also war für Ernst Rüdiger Starhemberg, der diese souveräne Position am 14. Mai 1933 einnahm, von dort aus zu sehen? Es gibt eine Fotografie der "Türkenbefreiungsfeier", die während Starhembergs Rede aufgenommen wurde.  Der Bundesführer des Heimatschutzes und Initiator der Kundgebung steht mit zum Gruß erhobenem Arm auf dem Podium, links hinter ihm muss sich der Fotograf befunden haben, der mit dem Objektiv über die Köpfe hinweg zielte, sodass auf dem Foto nicht nur der Redner vor den Mikrofonen, sondern auch die Masse von Hörern zu sehen ist.

Die Zentralperspektive des Bildes zeigt tausende Heimwehrmänner, die sich planmäßig in der Hauptachse des Gartens aufgestellt hatten. Im Großen Parterre, gleichsam dem Festsaal des Parks, der unverstellte Blicke auf die Residenz und im konkreten Fall auf die Anführer am Balkon gewährte, blieben nur die bepflanzten Felder frei, um die Blumenbeete, wie von der Schlosshauptmannschaft gefordert, nicht zu beschädigen. Der ebene Aufstellungsplatz ist seitlich durch hohe Heckenwände und hinten durch den 1780 vollendeten Neptunbrunnen begrenzt, dessen zur Mitte ansteigende Form eine Baumreihe betont. Auf dem Foto ist nicht zu erkennen, dass der Meeresgott, auf seinen Dreizack gestützt, in einer ähnlichen Pose verharrt wie Starhemberg auf dem Bild. Er thront mit erhobenem Arm über seiner Gefolgschaft, den die Meerespferde lenkenden Tritonen, und hat es in der Hand, die Wogen aufzuwühlen oder zu beruhigen. 

Hinter der Brunnenanlage steigt der Schönbrunner Berg mit den im Zickzack verlaufenden Wegen an, wo die Zivilbevölkerung der Kundgebung beiwohnen konnte. 

Den krönenden Abschluss der Komposition bildet die Gloriette auf der Anhöhe, die bereits in Fischers Entwurf von 1696 als Belvedere angelegt war, aber erst 1775 unter Maria Theresia errichtet wurde.  Es handelt sich einerseits um eine Kulisse, die das Gartenbild, vom Schloss aus gesehen, wirkungsvoll abschließt, und anderseits um eine Aussichtsplattform, die nicht nur die (ehemalige) Sommerresidenz, sondern die (Residenz-)Stadt überblicken lässt. Am Mittelteil der Arkadenreihe sitzt ein Adler auf einer Weltkugel, der als Siegeszeichen einen Lorbeerkranz im Schnabel hält. Dass die Gloriette in der Fachliteratur als Denkmal des "gerechten Krieges" gedeutet wird, 
passt thematisch zur "Türkenbefreiungsfeier", die laut Starhemberg an die "welthistorische Tatsache" erinnern sollte, "daß vor nunmehr 250 Jahren Christentum, deutsche Sitte und Kultur und damit auch das damalige Deutsche Reich auf österreichischem Boden gegen östliche Barbarei gerettet wurde." 

Die fotografischen Aufnahmen der Kundgebung verdeutlichen die besondere Anlage des Schönbrunner Parks zwischen Schloss und Berg, die den Blick nicht ins scheinbar Unendliche verlaufen lässt, wie es André Le Nôtre, der berühmte Gartenarchitekt Ludwigs XIV., im Parterre von Versailles konzipiert hatte, sondern einen begrenzten Raum schafft und gestaltet. 

In einer anderen Hinsicht setzt Schönbrunn die Prinzipien des französischen Barockgartens jedoch konsequent um, nämlich im Alleensystem, das wie ein städtisches Verkehrsnetz funktionieren sollte. 
Das Zentrum dieser Miniaturstadt bildet, wie bereits erwähnt, die gartenseitige Terrasse des Schlosses, von der fünf monumentale "Straßen" ausgehen. Bei der "Türkenbefreiungsfeier" wurden sie alle mit Heimwehrtruppen besetzt. Auf der während Starhembergs Rede aufgenommenen Fotografie ist nur die nordsüdliche "Hauptstraße" zu sehen, das Große Parterre; ausgewählte Einheiten und Ehrengäste waren aber auch in der sogenannten Lichten Allee platziert, die direkt vor dem Schlossgebäude nach Osten und Westen, also quer verläuft.  Die Insassen der Sonderzüge 15 und 16 sowie 18 und 19 standen außerdem in Kolonne entlang der beiden großen Diagonalalleen. 
Ließe sich die hinter Starhemberg positionierte Kamera nach links und rechts schwenken, erschiene am Ende der südöstlichen Allee der Obeliskbrunnen und am Ende der südwestlichen Allee der Pavillon des Tiergartens.

Diese Bauten sind erwähnenswert, weil sie die beschriebenen Funktionen des Schönbrunner Gartens sinnvoll ergänzen. Der 1777 errichtete Obelisk dient als point de vue in der nach ihm benannten Diagonalallee, die von der Schlossterrasse bis zur östlichen Grenze des Parks reicht.  Von den Römern aus Ägypten nach Europa gebracht, symbolisiert der rechteckige, sich verjüngende Pfeiler seit der Antike die Leben spendende Sonnenkraft, im Barock jedoch auch die Beständigkeit eines Herrschers, was im Fall des Schönbrunner Obelisken durch vier Schildkröten betont wird, die ihn tragen. Am oberen Ende thront ein goldener Adler, der wie der Souverän zwischen Himmel und Erde vermittelt. Der Obeliskbrunnen steht in einem thematischen Zusammenhang mit der benachbarten Römischen Ruine, die ein Jahr später fertiggestellt wurde.  Dieser ebenfalls als Blickpunkt einer Allee angelegte Parkbau zeigt ein halb in den Boden versunkenes antikes Gebäude, das nach der ursprünglichen Bezeichnung Karthago verkörpern sollte, jene nordafrikanische Stadt, die die Römer in den Punischen Kriegen zerstört hatten. So steht die Schönbrunner Ruine für die besiegten Feinde des Hauses Habsburg, dessen vom Anspruch her ewige, bis auf das Römische Reich zurückgehende Herrschaft nicht nur in dem Obelisken und der Gloriette dargestellt wird, sondern auch konzeptuell den Statuen des Großen Parterres zugrunde liegt. 

Das Gegenstück zum Obelisken bildet in westlicher Richtung der Tiergartenpavillon am Ende der Hietzinger Diagonalallee, der ebenfalls bereits von der Schlossterrasse aus zu sehen ist. In diesem Bereich wurden Jagdtiere gehalten, seit Kaiser Maximilian II. das Grundstück erworben hatte. Die Menagerie entstand Mitte des 18. Jahrhunderts auf Initiative von Franz I. Stephan, Maria Theresias Gatte. Sein aus Lothringen stammender Architekt Jean-Nicolas Jadot entwarf einen achteckigen Pavillon auf einem runden Platz, von dem sechzehn Achsen ausstrahlten: drei Alleen, ein Direktionsgebäude sowie zwölf Tiergehege, die als kleine Barockgärten gestaltet waren.  Der Einblick war nur vom Zentrum aus möglich, wo das Kaiserpaar im Pavillon frühstücken und dabei im Panorama die Lebewesen betrachten konnte, die aus aller Welt in die kaiserliche Residenz gebracht wurden. Unterhalb der Menagerie, am westlichen Rand des Schlossparks, ließ Franz Stephan außerdem einen botanischen Garten anlegen, der nach der Herkunft seiner Gärtner benannt wurde. Die teilweise in Expeditionen beschafften Pflanzenbestände des Holländischen Gartens waren in quadratischen Sektionen nach der Taxonomie des schwedischen Naturforschers Carl von Linné geordnet, dem sogenannten Linné'schen System.  Die Natur wurde im barocken Schlosspark von Schönbrunn, sei es in den Parterres und Alleen oder der Menagerie und dem botanischen Garten, rationalistisch und das hieß vor allem geometrisch beherrscht. 

Ort
Schlosspark Schönbrunn
Moment
Aufstellung der Heimwehrtruppen
Raum
N 48.183006° | E 16.311253°
Zeit
1933 a 133 d 9 h 0 min p. Chr.
Mediationen




Den Verstand gebrauchen:
Souveräne Zeichen
Das Leben einfangen:
Prüfende Blicke
Die Stimme erheben:
Gelenkte Sendungen

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