Ernst Rüdiger Starhemberg

Den Verstand gebrauchen: Souveräne Zeichen
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Ernst Rüdiger Starhemberg

"Für mich war es, ich gestehe es, vielleicht der stolzeste und schönste Tag meiner politischen Kampfjahre", schrieb Ernst Rüdiger Starhemberg rückblickend über den 14. Mai 1933. 

Als hätte das Wetter das bevorstehende Ereignis und seine Folgen vorweggenommen, brach an diesem Sonntagmorgen in Wien die Sonne durch die Wolken und wärmte den Frühlingswind, bis am Nachmittag heftige Gewitter einsetzten, Regen- und Hagelschauer niedergingen. 
Zwei Jahre später erinnerte Starhemberg den 14. Mai 1933 als den "Durchbruch der neuen Zeit", als den Tag, "wo in Schönbrunn 40.000 Heimatschützer durch ihren Aufmarsch das Vaterland gerettet haben". 
Es sei auch der Tag gewesen, heißt es in Starhembergs Memoiren, der seine Freundschaft mit Engelbert Dollfuß, dem damaligen Bundeskanzler Österreichs, begründet habe. 
Als er seiner Sekretärin diese Erinnerungen im Winter 1938/39 diktierte, war Dollfuß allerdings längst tot, und Starhemberg befand sich im Exil in Frankreich.

Vor dem Fall war Starhemberg aber hoch gestiegen, und an dem besagten Tag machte er einen großen Schritt nach oben. Es handelte sich in seinen Augen nicht nur um einen Wendepunkt im persönlichen Leben, sondern auch in der Geschichte Österreichs. Daher setzte er sich in seinen Memoiren, deren erste Fassung 1942 in englischer Sprache erschien, 

ausführlich mit den Vorbereitungen und den Auswirkungen des 14. Mai 1933 auseinander. Laut dieser Darstellung hatte Starhemberg im Frühling 1933 eine folgenreiche Unterredung mit Dollfuß. 
Die Lage war äußerst angespannt, weil die Nationalsozialisten, nachdem sie Anfang des Jahres in Deutschland an die Macht gekommen waren, auch in Österreich starken Aufwind hatten. Man müsse gerade jetzt, so habe Starhemberg Dollfuß geraten, "eine österreichische Kraft" entfalten, die dem Volk Sicherheit und Zuversicht gebe. 
Während der Bundeskanzler im Sinn hatte, einen Christlichsozialen Parteitag als große patriotische Veranstaltung abzuhalten, plädierte Starhemberg für eine Massenkundgebung des Österreichischen Heimatschutzes, jener paramilitärischen Organisation, die er seit 1930 als "Bundesführer" leitete. 

Um die Finanzierung dieser Großveranstaltung sicherzustellen, reiste Starhemberg nach Rom zu , den er persönlich kannte.  Seinen Memoiren zufolge schilderte er dem italienischen Ministerpräsidenten den Plan "einer systematischen Propagandawelle für Österreich gegen den Nationalsozialismus". 

Aufgrund der gemeinsamen Sprache sei "das großdeutsche Fühlen" in Österreich stark ausgeprägt, aber genau darin liege das entscheidende Problem: "Wir müssen endlich den Mut aufbringen", so Starhemberg, "der großdeutschen Idee eine absolut von dieser Idee unabhängige österreichische Idee entgegenzustellen." 
Mussolini habe diesen Vorschlag ausdrücklich begrüßt und ihm als Vorbild das Konzept der italianità im faschistischen Italien genannt: "So etwas müssen Sie in Österreich schaffen." 
Nachdem er den österreichischen Heimwehren Anfang des Jahres bereits Waffen geliefert hatte, stellte Mussolini nun auch das Geld für Starhembergs propagandistische Veranstaltung zur Verfügung. 

Obwohl Starhemberg in den im Exil verfassten Erinnerungen betont, die Kundgebung habe sich gegen den Nationalsozialismus gerichtet, verhehlt er nicht, dass die Veranstaltung auch die "Beseitigung der entarteten Demokratie" besiegeln sollte. 

Aus seiner Sicht war Österreich 1918, als mit dem Ende des Weltkriegs die Monarchie der Habsburger zusammenbrach, nicht reif für eine demokratische Regierungsform. Kaum einer habe an die Überlebensfähigkeit jener kleinen Republik geglaubt, die vom Kaiserreich übrig geblieben war.  Den politischen Parteien sei es nicht um Land und Volk gegangen, sondern um die eigenen Interessen, die sie lauthals auf den Straßen Wiens und den Titelblättern der Zeitungen kundgetan hätten: "Ein Parlamentarismus, der zum Tummelplatz hemmungsloser Parteidemagogie und wüster Kämpfe um die Parteivorteile auf Kosten der Gesamtheit wurde, war die Folge." 
Als Dollfuß im März 1933 eine Geschäftsordnungskrise des Parlaments nutzte, um künftig mittels Notverordnungen autoritär zu regieren, habe er nichts anderes getan, "als einem unhaltbar gewordenen Zustand eben ein Ende zu bereiten". 

Laut Starhemberg war im Frühjahr 1933 also ein zweifaches Zeichen erforderlich: für Österreich als unabhängigen, autoritär geführten Staat und gegen die Feinde Österreichs, sei es der Nationalsozialismus, der das Land in einem Großdeutschen Reich aufgehen lassen wollte, oder die , die sich der Errichtung einer internationalen "Diktatur des Proletariats" verschrieben habe. 

Dieses souveräne Zeichen sollte in Form einer Massenkundgebung des Österreichischen Heimatschutzverbandes gesetzt werden, die Starhemberg als "Türkenbefreiungsfeier" inszenierte.  1933 lag die Befreiung Wiens von der Zweiten "Türkenbelagerung" zwar 250 Jahre zurück, die staatlichen Jubiläumsfeiern fanden aber erst im Spätsommer statt, zumal es die berühmte Schlacht am Kahlenberg vom 12. September 1683 gewesen war, die den rund zweimonatigen Belagerungszustand beendet hatte. 
Warum bezeichnete Starhemberg seine im Mai abgehaltene Veranstaltung entgegen dem historischen Ablauf als "Türkenbefreiungsfeier"? Er begründet diese Wahl in den Memoiren nicht, aber es liegt nahe, die Gründe in seiner Familiengeschichte zu suchen. Denn hätte die Habsburgermonarchie und mit ihr der österreichische Adel den Weltkrieg überlebt, dann wäre die Starhemberg'sche Fürstenwürde 1927, als sein Vater Ernst Rüdiger starb, an ihn übergegangen, den am 10. Mai 1899 im Schloss Eferding in Oberösterreich als Ernst Rüdiger Camillo Maria geborenen Reichsgrafen von Starhemberg.

Die Familie Starhemberg war eines der ältesten Adelsgeschlechter des habsburgischen Reiches. 

Als ihr Stammvater gilt ein Gundacker aus dem 12. Jahrhundert, dessen gleichnamiger Enkel eine Burg Starhemberg (Storichenberch) am oberösterreichischen Hausruck baute, von der sich später der Familienname ableitete. Eine entscheidende Rolle in der Familiengeschichte spielte Erasmus I. (1503–1560), der Anna von Schaunberg heiratete, wodurch ein Großteil des reichen Schaunberg'schen Erbes an das Haus Starhemberg fiel. Durch seine Söhne Rüdiger, Gundaker und Heinrich begründete Erasmus drei Hauptlinien des Geschlechts, von denen die Rüdiger'sche bis in unsere Gegenwart reicht. Nachdem die Familie, die sich der Reformation angeschlossen hatte, wieder zur katholischen Kirche zurückgekehrt war, wurde sie 1643 in den Reichsgrafenstand erhoben.

Jenes Familienmitglied, das nicht nur 1933 als Nationalheld gefeiert und geehrt wurde, hieß Graf Heinrich Ernst Rüdiger von Starhemberg (1638–1701), der sich als Stadtkommandant 1683 führend an der Verteidigung Wiens gegen die osmanischen Truppen beteiligt hatte.  Der Enkel seines Stiefbruders Franz Ottokar, Georg Adam (1724–1807), der kaiserlicher Botschafter am französischen Hof und ein Vertrauter Maria Theresias war, wurde 1765 von Kaiser Joseph II. in den Reichsfürstenstand erhoben. Dessen gleichnamiger Enkel blieb kinderlos, weshalb Besitz und Fürstenwürde auf einen entfernten Vetter übergingen, nämlich Camillo Rüdiger von Starhemberg. Sein Urenkel Ernst Rüdiger, der im Weltkrieg an der italienischen Front kämpfte und sich 1923 am nationalsozialistischen Putsch in München beteiligte,

erbte 1927 aber nur mehr den umfangreichen Familienbesitz. Denn das Parlament der neugegründeten Republik Deutschösterreich hatte den Adel 1919 per Gesetz aufgehoben. 

Das sogenannte Adelsaufhebungsgesetz, das bis heute in Österreich gilt, untersagt nicht nur die Führung von Adelstiteln, sondern auch von Adelswappen. Das heißt, Ernst Rüdiger Starhemberg durfte sich weder als Siebter Fürst von Starhemberg bezeichnen, noch war es ihm erlaubt, das Starhemberg'sche Wappen zu tragen, das in visueller Form verdeutlicht, warum er seine Propagandaveranstaltung vom 14. Mai 1933 als "Türkenbefreiungsfeier" abhalten wollte. 

Als Urwappen der Familie gilt das Siegel des oben erwähnten Gundackers III., der im 13. Jahrhundert die Burg Starhemberg errichtete.  Es ist waagrecht geteilt, oben erscheint ein anfangs grüner, später blauer Panther auf silbernem oder weißem Hintergrund. Dabei handelte es sich um das Wappentier der steirischen Herzöge, für die Gundacker I., der Starhemberg'sche Ahnherr, ein ritterliches Amt ausübte. Der heraldische Panther, der noch immer Teil des steirischen Landeswappens ist, stellt allerdings keinen schwarzen Leoparden dar, sondern ein aus verschiedenen Tieren zusammengesetztes, Feuer speiendes Ungeheuer. Wesentlich erweitert wurde das Familienwappen Mitte des 16. Jahrhunderts, als mit dem Erbe auch die Wappen der Schaunberger an das Haus Starhemberg übergingen.

Nach der Befreiung Wiens von der "Türkenbelagerung" im Jahr 1683 bedankte sich Kaiser Leopold I. beim Stadtkommandanten, dem Grafen Ernst Rüdiger von Starhemberg, mit einer weiteren Aufwertung seines Adelswappens: Anstelle von drei Turnierhelmen krönte nun der Turm des Wiener Stephansdoms mit dem neuen Doppelkreuz, von dem ein Sonnenstern mit Mondsichel herabfällt, das inzwischen vierfeldige Wappen. 

Im zweigeteilten Herzschild erhielt der Panther in die linke Pfote einen mit Lorbeer umwundenen Degen und in die rechte einen abgeschlagenen "Türkenschädel"; am roten Schildfuß wurde ein goldenes, gekröntes L (für Kaiser Leopold I.) ergänzt. Die letzte Änderung des Wappens erfolgte 1765 anlässlich der Verleihung der Fürstenwürde an Georg Adam von Starhemberg. Dabei wurde der Panther, der nun links den "Türkenschädel" und rechts das Schwert hält, im Herzschild gewendet. Außerdem ragt der Stephansturm nicht mehr über dem gesamten Wappen hervor, sondern befindet sich im linken (heraldisch rechten) oberen Feld, und zwar hinter einer Abbildung der Bastei von Wien, also der seit dem 16. Jahrhundert errichteten Festungsanlage der Stadt. Diese Endversion des Starhemberg'schen Wappens krönt ein Fürstenhut und umgibt ein mit Hermelin gefütterter Mantel. 

De jure ist aber nicht gleich de facto, das heißt, der Adel war in Österreich zwar seit 1919 abgeschafft, die Heimwehrleute sprachen Starhemberg jedoch beharrlich als Fürsten an. Ob auf einer der vielen Fahnen, die bei der "" am 14. Mai 1933 in Wien geschwenkt wurden, nicht doch das Starhemberg'sche Wappen zu sehen war, lässt sich kaum mehr bestätigen oder ausschließen. Jedenfalls verkündete die Presse des Österreichischen Heimatschutzes am folgenden Tag einen großen Sieg ihres Bundesführers, des "Fürsten Ernst Rüdiger von Starhemberg". So hieß es, die historischen Tatsachen verdrehend, im Wiener Mittagsblatt vom 15. Mai 1933:

Die Feierlichkeiten begannen früh morgens, um 7:30 Uhr, beim Liebenberg-Denkmal gegenüber der Universität Wien – einem Siegesdenkmal, das in den 1880er Jahren zu Ehren Johann Andreas von Liebenbergs, des Wiener Bürgermeisters von 1683, errichtet wurde.  Starhemberg legte zunächst hier, am Fuß des Obelisken, einen Kranz nieder und marschierte dann mit seiner Sturmkompanie über die Ringstraße zum Rathausplatz, wo die Heimwehrtruppe bei einem weiteren Monument Halt machte, nämlich beim Denkmal des Grafen Ernst Rüdiger von Starhemberg, um dort ebenfalls einen Kranz niederzulegen.  Sicherheitsminister Emil Fey, der auch Landesführer des Wiener Heimatschutzes war, erinnerte an den Einsatz des Grafen Starhemberg bei der Befreiung Wiens im Jahr 1683 sowie an die entscheidende Rolle, die sein gleichnamiger Nachkomme nun in der Verteidigung Österreichs spiele. 

Starhemberg traf gegen 10 Uhr beim Schloss Schönbrunn ein, in dessen die eigentliche "Türkenbefreiungsfeier" mit einer katholischen Feldmesse eröffnet wurde. Danach war erneut Emil Fey am Wort, der die erste Ansprache vor den zahlreichen Heimwehrleuten hielt, die nachts in Sonderzügen aus ganz Österreich angereist waren. Fey, den Dollfuß auf Anraten Starhembergs als Sicherheitsminister in sein Kabinett aufgenommen hatte, erinnerte das Publikum, wie es Graf Starhemberg 1683 verstanden habe, "seine Soldaten und die Bürger von Wien so zu begeistern und mit seinem eigenen Heldenmut zu erfüllen, daß das schier Unglaubliche Wahrheit wurde, daß diese damals schwache Stadt gegen das Riesenheer der Türken sich halten konnte, dieses Riesenheer aufhalten konnte". Und 250 Jahre später sei es wieder ein Ernst Rüdiger Starhemberg, "der sich an die Spitze vieler tausend heimattreuer, kampfbegeisterter Männer gestellt hat, die sich in freiwilliger Disziplin und Vaterlandsliebe zusammengefunden haben, um Volk und Heimat zu schützen". 

Nach dieser Einführung ergriff Starhemberg selbst das Wort. Er trug die grüne Uniform des Heimatschutzes, über der linken Brusttasche waren seine Orden angesteckt, darunter die Große Silberne Tapferkeitsmedaille, die er im Weltkrieg erworben hatte. Umgeben von seinen Adjutanten, geladenen Gästen, Fotografen, Kameramännern und Radiotechnikern, stieg Starhemberg in den hohen, schwarzen Lederstiefeln auf das Rednerpodium am gartenseitigen Balkon des Schlossgebäudes und hob den rechten Arm.  Die tausenden Heimwehrleute, die in der barocken Gartenanlage formiert waren, erwiderten den Gruß mit Heilrufen. Nachdem sich die Arme wieder gesenkt hatten und die Rufe abgeklungen waren, begann Starhemberg seine Rede, .

Er rief seinen Anhängerinnen und Anhängern in Erinnerung, wie oft sich die "Ostmarkdeutschen" in der Vergangenheit "gegen eine Welt von Feinden" verteidigt hätten, und hob drei in seinen Augen weltgeschichtliche Ereignisse hervor: 1683, als sich "das Christenkreuz gegen den Halbmond" durchgesetzt habe; der Sieg der "Deutschen Österreichs" über das napoleonische Heer bei im Jahr 1809; und die "Heldentaten" österreichischer Soldaten im Weltkrieg. Angesichts dieser heroischen Geschichte sei es die Pflicht des Heimatschutzes, "unser schönes, durch den Tod von Tausenden geheiligtes Österreich frei und unabhängig zu erhalten". Seit 1918 hätten aber "Parteipolitik" und "Klassenkampf" das österreichische Volk zermürbt, das einen Retter brauche, nach einem Retter verlange. "Seien Sie dieser Retter", sagte Starhemberg zu Bundeskanzler Dollfuß, "und seien Sie überzeugt, alles geht mit Ihnen und alles ist bei Ihnen, wenn Sie daran gehen, Österreich zu retten." 

Dollfuß gedachte abermals der historischen Ereignisse von 1683, hob neben dem Grafen von Starhemberg aber auch den damals kaum 20-jährigen Prinzen Eugen hervor, der mutig in der Schlacht am Kahlenberg gefochten und in der Folge "die Gefahr des asiatischen Einbruchs in das christliche Abendland für alle Zeiten gebannt" habe.  Nach dem Weltkrieg, in dem er, Dollfuß, selbst als Frontsoldat seine Pflicht erfüllt habe, sei der Feind aber durch "fremde Ideen" wieder in das österreichische Volk eingedrungen. Er wolle diese sozialistischen Ideologien bekämpfen und einen "christlich-deutschen Rechtsstaat" aufbauen, dessen Bevölkerung nach Berufsständen zusammengefasst werden solle. Der Bundeskanzler schwor "Fürst Starhemberg", dem Bundesführer des Österreichischen Heimatschutzes, schließlich "Treue um Treue"  und beendete seine Ansprache mit dem Ausruf: "Österreich über alles, wenn es nur will!" 

Starhemberg schrieb in seinen Memoiren, dass Dollfuß diesen Treueschwur am Abend nochmals unter vier Augen wiederholt habe. Der Bundeskanzler sei – wie er selbst auch – tief beeindruckt von der Kundgebung in Schönbrunn und der folgenden gewesen, bei der "die genagelten Schuhe unserer alpenländischen Formationen durch die Mariahilferstraße in die Stadt" marschierten. 
Starhemberg ging seinen Heimwehrleuten voran  und stellte sich am neben Dollfuß, um das Defilee der folgenden Truppen abzunehmen. 

Die "Vaterländische Front", die der Bundeskanzler in seiner Rede in Schönbrunn angekündigt hatte, wurde bereits eine Woche später als österreichische Staatspartei gegründet.  Während Dollfuß das autoritäre Regime, das in Österreich errichtet wurde, als "Ständestaat" bezeichnete, sprach Starhemberg ausdrücklich vom "Austrofaschismus". In einer mit "Österreichs Weg" betitelten Rede, die er im März 1934 hielt und anschließend publizieren ließ, lobte Starhemberg das rücksichtslose Vorgehen gegen den Republikanischen Schutzbund, dem von Dollfuß verbotenen paramilitärischen Verband der österreichischen Sozialdemokratie, dessen bewaffneten Aufstand das Bundesheer, die Polizei und die Heimwehren gerade blutig niedergeschlagen hatten.  Der Heimatschutz habe sein Vaterland in den kritischen Tagen des Februar 1934 tapfer gegen den "Austrobolschewismus" verteidigt, gegen diese regionale Variante der marxistischen Irrlehren. Nicht nur in Österreich, auf der ganzen Welt gehe das "Zeitalter des Parlamentarismus" und des "demokratischen Liberalismus", aber auch des "individualistischen Kapitalismus" zu Ende. 

Der Ausdruck "Ständestaat" genügte laut Starhemberg aus zweierlei Gründen nicht, um diese politischen Umwälzungen zu bezeichnen: erstens, weil der neue Staat das Interesse der Gesamtheit vor die Einzelinteressen der Berufsstände stellen müsse; und zweitens, weil sich dieses Gesamtinteresse nur mit einer entsprechenden Autorität der Staatsführung durchsetzen lasse. Im Übrigen stehe der "Austrofaschismus" ausdrücklich zum "großdeutschen Gedanken", allerdings nur in Form einer freundschaftlichen Kooperation selbständiger und unabhängiger Staaten. Die durchaus vorhandenen Gemeinsamkeiten mit dem Nationalsozialismus hörten dort auf, wo die Souveränität Österreichs infrage gestellt werde. 

Am 1. Mai 1934 trat dann nicht nur die Verfassung des von Dollfuß in der Schönbrunner Rede angekündigten christlich-deutschen Ständestaats in Kraft, sondern Starhemberg wurde auch zu dessen Vizekanzler ernannt. Bald darauf, am 25. Juli, als der Heimwehrführer gerade Mussolini in Venedig besuchte, wurde Dollfuß von putschenden Nationalsozialisten im Bundeskanzleramt in Wien erschossen. 

Anstatt in die Funktion des Bundeskanzlers aufzurücken, blieb Starhemberg freiwillig unter dem bisherigen Justiz- und Unterrichtsminister Kurt Schuschnigg Vizekanzler, wurde aber zum Bundesführer der Vaterländischen Front ernannt. 
Am 14. Mai 1936, nachdem er Mussolini anlässlich dessen völkerrechtswidrigen Abessinienkriegs zum "Sieg des fascistischen Geistes über demokratische Unehrlichkeit und Heuchelei" gratuliert hatte, 
entfernte ihn Schuschnigg "wegen sachlicher Meinungsverschiedenheit" – auf den Tag genau drei Jahre nach der "Türkenbefreiungsfeier" – aus der Regierung. 
Sowohl der österreichische Bundeskanzler als auch der italienische Ministerpräsident paktierten in der Folge mit Adolf Hitler, dem deutschen Reichskanzler. Starhemberg zog sich hingegen aus dem politischen in sein Privatleben zurück.

Im Dezember 1937 reiste er mit seiner zweiten Frau, der damals bekannten Burgschauspielerin Nora Gregor, und ihrem gemeinsamen Sohn Heinrich zum Schifahren in die Schweizer Berge.  Ende März 1938, rund zwei Wochen, nachdem die deutsche Armee in Österreich einmarschiert war, sandte Starhemberg von Davos aus einen Brief an Hitler, den er seit den 1920er Jahren persönlich kannte. Entgegen seiner Angaben in den Memoiren betonte er in dem Schreiben, es sei stets das Ziel des Heimatschutzes gewesen, "Österreich zu einer Staatseinheit mit dem Deutschen Reiche zu vereinen". Auch wenn er vor allem um Schonung seiner Kameraden bat, hob Starhemberg hervor, dass er schon "im Jahre 1923 zu Ihren glühendsten Anhängern gehört habe" und es nun als seine Pflicht erachte, "mich Ihnen, mein Führer, für Volk und Vaterland zur Verfügung zu stellen." 

Das Angebot blieb unbeantwortet, aber als Starhemberg 1939 begann, von Frankreich aus gegen Deutschland zu kämpfen,  beschlagnahmten die Nationalsozialisten sein Eigentum in Österreich. 

Das Exil führte ihn samt Familie nach Südamerika, zunächst nach Argentinien, wo er als Gaucho arbeitete, dann nach Chile, wo er nach dem Tod seiner Frau gemeinsam mit dem Sohn lebte. Mitte der 1950er Jahre, als ihm trotz heftigen linken Protesten das Vermögen rückerstattet wurde, kehrte Starhemberg nach Österreich heim. 

Er starb aber schon wenige Monate später, am 15. März 1956, bei einem Kuraufenthalt in Schruns in Vorarlberg an einem Herzanfall, nachdem ihn ein kommunistischer Journalist beim Spazierengehen ohne Zustimmung fotografiert hatte. 
Zur Erinnerung wurde an der Schrunser Litzkapelle, wo Starhemberg zusammengebrochen war, eine Gedenktafel angebracht. Ungeachtet des seit 1919 geltenden Adelsaufhebungsgesetzes steht dort unter dem Starhemberg'schen Wappen in Kupfer geschrieben:

Ort
Denkmal des Grafen Starhemberg
Moment
Kranzniederlegung
Raum
N 48.210411° | E 16.359453°
Zeit
1933 a 133 d 8 h 0 min p. Chr.
Mediationen




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