Engelmann-Arena

13. Mai 1933     20:30 – 22:00 Uhr

Engelmann-Arena

Am Samstag, dem 13. Mai 1933, findet von 20:30 bis 22 Uhr eine nationalsozialistische "Türkenbefreiungsfeier" in der Wiener Engelmann-Arena statt. Die Reden werden im benachbarten Gasthaus Stalehner durch Lautsprecher übertragen.

Die deutschen NS-Politiker, die nachmittags am Flugfeld Aspern gelandet und in einer Kolonne zum Adolf-Hitler-Haus gefahren waren, marschieren unter den Klängen des Prinz-Eugen-Marsches zur Tribüne der Kunsteisbahn in der Jörgerstraße 24, die auch für politische Kundgebungen genutzt wurde.

Während die NS-Presse von 20.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern spricht, schätzt ein anwesender Polizist das Publikum auf 11.000. 

Der Beamte wurde von der österreichischen Bundesregierung beauftragt, die Veranstaltung zu überwachen.  Erlaubt ist der NSDAP nur eine Feier zum 250. Jubiläum der Befreiung Wiens von der Zweiten "Türkenbelagerung", die sich in Wirklichkeit nicht im Mai, sondern Mitte September 1683 ereignet hatte. Kommentare zur aktuellen politischen Lage sollen hingegen untersagt werden. Als Erster tritt der NS-Gauleiter von Wien, Alfred Eduard Frauenfeld, vor das Mikrofon:

Ich glaube wohl den Empfindungen aller Ausdruck zu geben, wenn ich sage, daß wir uns unserer Ahnen würdig erweisen werden. So wie sie damals den Feind vor den Toren Wiens vertrieben und dem deutschen Volke die Freiheit erkämpft haben, so wollen auch wir es ihnen gleichtun und Wien von den Vertretern Asiens befreien, gleichgültig, ob sie einen Fez oder einen Hahnenschwanz tragen. 

Mit dem "Hahnenschwanz" spielt Frauenfeld auf den Hutschmuck der österreichischen Heimwehren an – einer paramilitärischen Organisation, deren eigene "Türkenbefreiungsfeier" am folgenden Morgen im Schlosspark Schönbrunn abgehalten wird. Nachdem Hans Frank, der bayrische Justizminister, Adolf Hitler als neuen "Türkenbefreier" gerühmt hat, behauptet sein preußischer Amtskollege Hanns Kerrl einen inneren Zusammenhang der "Volksgenossen" in Deutschland und Österreich: "Gott hat uns zusammengefügt durch unser Blut und das Blut ist in Wahrheit der Bestimmer des Handelns und Wollens der Menschen." 

Am Ende der Kundgebung singen die Redner und das Publikum, begleitet von einer Wiener SA-Kapelle, das Deutschlandlied und das Horst-Wessel-Lied, die Parteihymne der NSDAP. 

Im Leitartikel der Morgenausgabe vom 13. Mai hatte die bürgerliche Neue Freie Presse erwartet, dass bei der abendlichen Veranstaltung in der Engelmann-Arena nach Parallelen von 1683 und 1933 gesucht werde. Es sei aber "keine Spur von Analogie" vorhanden zwischen der Zweiten Wiener "Türkenbelagerung" und den aktuellen Kämpfen im Namen des Nationalsozialismus:

Denn die Schar, die über den Kahlenberg herunterstieg, um bei Sievering und Döbling die Janitscharen aus dem Bereiche westlicher Kultur zu verdrängen, das waren nicht nur Deutsche und Österreicher, es waren auch Polen unter dem König Sobieski, es war ein zusammengewürfeltes Heer ohne den leisesten Wunsch nach "Gleichschaltung". Das Traurige ist eben, daß der Blick für historische Richtigkeit so sehr geschwunden ist. Daß nur ein Schlagwort benützt werden soll, ein Abzeichen mehr in dieser Epoche der Äußerlichkeiten. 

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13. Mai 1933 – 14:00
14. Mai 1933 – 14:00

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