UFA-Ton-Kino

13. Mai 1933     16:45 – 23:15 Uhr

UFA-Ton-Kino

In acht Wiener Kinos läuft am Samstagabend, dem 13. Mai 1933, der Spielfilm Das Testament des Dr. Mabuse von Fritz Lang. Das UFA-Ton-Kino in der Taborstraße 8 zeigt die zweistündige Produktion der Berliner Nero-Film AG um 16:45, 19:00 und 21:10 Uhr. 

Joseph Goebbels, der nationalsozialistische Propagandaminister, hatte sich den Kriminalfilm am 28. März 1933 angesehen und ein Verbot für Deutschland gefordert, das am nächsten Tag erfolgte. Das Testament des Dr. Mabuse sei geradezu "staatsgefährdend", heißt es im Protokoll der Zensursitzung, weil die dargestellten Verbrechen als "Lehrbuch zur Vorbereitung und Begehung terroristischer Akte" dienen könnten.  So fand die Uraufführung am 21. April in Budapest und die österreichische Premiere am 12. Mai in Wien statt.

Bei dem im Titel genannten Testament handelt es sich um schriftliche Aufzeichnungen, die zu schweren Verbrechen anleiten. 

Eingeschlossen in seiner Zelle, beschreibt Dr. Mabuse (Rudolf Klein-Rogge) ein Blatt nach dem anderen mit detaillierten Anweisungen, die sein Arzt Professor Baum (Oskar Beregi), der Leiter der psychiatrischen Klinik, besessen in die Tat umsetzt. Als Chef einer kriminellen Organisation gibt er Mabuses Pläne per Telefon an die Mitarbeiter weiter, die ihn nie zu Gesicht bekommen. Die Aufträge werden in einer Art Befehlszentrale erläutert – einem fensterlosen Zimmer mit Vorhang, hinter dem eine Gestalt zu sehen und eine Stimme zu hören ist. Tatsächlich befindet sich der Anführer aber nicht selbst in dem Raum, sondern lediglich eine Attrappe und ein Tisch mit Mikrofon und Lautsprecher. Um seine Abwesenheiten von der Klinik zu verschleiern, installiert Baum ebenfalls eine mediale Anlage. Er verbindet ein Grammofon über einen Draht mit der Türklinke, sodass jeder Versuch, sein Büro zu betreten, folgende Aufnahme abspielt: "Ich möchte jetzt nicht gestört werden." 

"Der dramatische Konflikt, der Fritz Lang immer wieder zu reizen scheint, ist der Zusammenstoß der kriminellen Phantasie erfindungsreicher Verbrecher mit der sachlichen Forscherlogik des Detektivs", schreibt der Filmkritiker Fritz Rosenfeld in der Wiener Arbeiter-Zeitung vom Sonntag, dem 14. Mai 1933. 

In Das Testament des Dr. Mabuse spitzt sich dieser Konflikt anhand von Figuren zu, die schon in früheren Werken Langs Hauptrollen gespielt hatten, nämlich im verbrecherischen Psychologen aus Dr. Mabuse, der Spieler (1922) und im analytischen Kommissar aus M – Eine Stadt sucht einen Mörder (1931). Mabuse, der Psychopath, ist verrückt und genial zugleich: Er schreibt logische Pläne für Anschläge, die nur den Zweck verfolgen, Chaos zu stiften. Lohmann (Otto Wernicke), der Beamte, versucht hingegen, Ordnung zu schaffen, indem er seinen kriminalistischen Verstand gebraucht, also Fakten ermittelt, Fotografien auswertet, Zeugen verhört usw.  In beiden Fällen ist die Imagination am Werk – als kontrollierte Vorstellungskraft des Kommissars und als zügellose Fantasie des Psychopathen.

Das UFA-Ton-Kino wurde 1916 als Central-Kino im Erdgeschoss des Hotels Central in der Taborstraße 8 eröffnet. 

Obwohl die Umbenennung erst 1929 erfolgte, war die deutsche Universum Film AG (UFA) schon seit Längerem an dem Wiener Unternehmen beteiligt.  Das Kino hatte ein Fassungsvermögen von rund tausend Sitzplätzen und wurde zur Premiere von UFA-Filmen genutzt. Am Abend des 13. Mai 1933 zeigt das UFA-Ton-Kino vor Das Testament des Dr. Mabuse die Ufa-Tonwoche, die über die NS-Feier zum "Tag der nationalen Arbeit" am 1. Mai in Berlin berichtet. 

Zeitleiste
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24 h
13. Mai 1933 – 14:00
14. Mai 1933 – 14:00

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