Lassalle-Hof

13. Mai 1933     15:30 – 15:45 Uhr

Lassalle-Hof

In der Leopoldstadt, dem zweiten Wiener Gemeindebezirk, stoßen die NS-Politiker aus Deutschland, die in einer Kolonne vom Flugfeld Aspern zum Adolf-Hitler-Haus fahren, auf linken Protest. Als die Autos und Motorräder die Reichsbrücke überqueren, ertönen Pfiffe und Buhrufe. 

Einige BewohnerInnen des Gemeindebaus in der Lassallestraße 40–44, an dessen Fenster und Balkone rote Fahnen hängen, tragen ihr Missfallen offen zur Schau:

Vom Lassalle-Hof, der von der Polizei abgesperrt war, schauten die Arbeiter vom Fenster herunter, aber mit der Rückseite. Körperteile wurden sichtbar, die für die Nazi-Minister als Aufforderung gelten sollten, das Götz-Zitat zur Wahrheit zu machen. 

Um weitere Konflikte zu vermeiden, wird die Route von der Polizei geändert. Die deutschen Besucher dürfen nicht, wie geplant, über die Praterstraße und den Ring fahren, sondern müssen beim Praterstern in die Franzensbrückenstraße abbiegen und den Weg über die Löwengasse, die sogenannte Lastenstraße und die Gumpendorfer Straße einschlagen, wo sie weder AnhängerInnen noch GegnerInnen erwarten.

Der Lassalle-Hof entstand von 1924 bis 1926 nach Plänen des Architekten Hubert Gessner, eines Schülers von Otto Wagner. 

Er war einer der ersten großen Gemeindebauten, die im "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit errichtet wurden. Die Architekturhistorikerin Eve Blau schreibt über diese kommunalen Wohnanlagen:

Für die Sozialdemokraten, die in Wien 1919 an die Macht kamen und die österreichische Hauptstadt bis 1934 regierten, bildete das Bauprogramm mit über 400 neuen Gemeindebauten, die in den Altbaubestand Wiens eingefügt werden mußten, das Kernstück umfassender Reformpläne zur Umgestaltung der sozialen und wirtschaftlichen Infrastruktur der Stadt nach sozialistischen Prinzipien. 

Das nach Ferdinand Lassalle, einem Pionier der deutschen Arbeiterbewegung, benannte Gebäude umfasste 290 Wohnungen in sechs Stockwerken. 

In den Räumen entlang der Lassallestraße befanden sich Geschäftslokale und eine Volksbibliothek. Der oberste Stock des Turms, der über die Anlage hinausragt, diente als Fotoatelier des sozialdemokratischen Vereins "Die Naturfreunde".  Zwischen Reichsbrücke und Praterstern gelegen, dominiert der monumentale Lassalle-Hof noch heute eine nordöstliche Verkehrsader der Stadt Wien.

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13. Mai 1933 – 14:00
14. Mai 1933 – 14:00

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