Flugfeld Aspern

13. Mai 1933     14:00 – 14:45 Uhr

Flugfeld Aspern

Am Samstag, dem 13. Mai 1933, landet um 14:12 Uhr das Flugzeug D 1772 der deutschen Lufthansa am Flugfeld Aspern in Wien. 

Aus der Maschine, die dreieinhalb Stunden vorher in Berlin gestartet war, steigen der bayrische Justizminister Hans Frank, der 1939 zum Generalgouverneur im besetzten Polen avancierte, sein preußischer Amtskollege Hanns Kerrl und dessen Ministerialdirektor Roland Freisler, der spätere Präsident des deutschen Volksgerichtshofs, mit einer Handvoll BegleiterInnen.  Rund 1.500 ParteigängerInnen sowie zahlreiche Presseleute erwarten die nationalsozialistischen Politiker.

Die Wiener Reichspost, das offiziöse Organ der Christlichsozialen Partei Österreichs, hatte den Besuch in einem Aufsehen erregenden Leitartikel als "unerwünscht und unwillkommen" bezeichnet. 

Denn erstens handle es sich nicht um einen Staatsbesuch, sondern um eine "parteipolitische Kampfaktion", und zweitens sei der Delegationsleiter eine Persona non grata in Österreich.  Hans Frank hatte am 18. März 1933 eine Rede im bayrischen Rundfunk gehalten, die zu diplomatischen Konflikten führte. Laut einer Meldung von Wolffs Telegraphischem Bureau, der amtlichen Nachrichtenagentur Deutschlands, warnte der bayrische Justizminister die österreichische Regierung, "die Nationalsozialisten zu veranlassen, die Sicherungen der Freiheit der deutschen Volksgenossen in Österreich zu übernehmen". 

In Deutschland war seit dem 30. Jänner 1933 ein Kabinett unter der Führung von Adolf Hitler im Amt, das sich für alle "deutschen Volksgenossen" zuständig erachtete, seien sie im In- oder Ausland beheimatet. Der christlichsoziale Bundeskanzler von Österreich, Engelbert Dollfuß, wollte das Land jedoch als souveränen deutschen Staat erhalten und regierte seit März 1933 mittels Notverordnungen. Als nun die NS-Politiker in Aspern ankommen, tritt ihnen Michael Skubl, der damalige Vizepräsident der Wiener Polizei, entgegen und sagt namens der Bundesregierung, dass der Besuch "nicht erwünscht" sei, für die persönliche Sicherheit der Anwesenden aber gesorgt werde. 

Die Gäste aus Deutschland fahren dann in einer Kolonne dutzender Autos und Motorräder in die Stadt zum Adolf-Hitler-Haus, der Zentrale der NSDAP in Wien. 

Der Leitartikel der Reichspost betonte, dass sich "die Maßnahmen, die Österreich aus diesem Anlasse treffen muß, weder gegen die Reichsregierung noch gegen Mitglieder einer reichsdeutschen Landesregierung" richten würden, "sondern ausschließlich gegen den Versuch, einer staats- und regierungsfeindlichen Agitation innerhalb unserer eigenen Grenzen durch ausländische Gäste einen neuen Antrieb zu geben". Hitler habe in der internationalen Politik ein "hohes Maß an Einsicht und Mäßigung" bewiesen: "Die Frage bleibt daher offen, ob er mit der parteipolitischen Agitationsreise hoher Staatsfunktionäre nach Österreich einverstanden ist." 

Laut diesem halbamtlichen Kommentar lag dem reservierten Empfang am Flugfeld Aspern keine grundsätzliche Kritik des Nationalsozialismus in Deutschland zugrunde. Die Bundesregierung wollte aber verhindern, dass die NS-Opposition in Österreich Gelegenheit zur politischen Propaganda erhielt.

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13. Mai 1933 – 14:00
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