Schwarzenbergplatz

14. Mai 1933     13:00 – 14:00 Uhr

Schwarzenbergplatz

Die Heimwehrtruppen, die an der "Türkenbefreiungsfeier" im Schlosspark Schönbrunn teilgenommen haben, treffen ab ca. 13 Uhr am Schwarzenbergplatz ein. 

Zur gleichen Zeit geben die NS-Politiker aus Deutschland, die rund 24 Stunden vorher am Flugfeld Aspern gelandet waren, eine Pressekonferenz in der Deutschen Gesandtschaft. In den Regierungsblättern ist von 40.000, in den oppositionellen Zeitungen von 20.000 Männern aus ganz Österreich die Rede, die über die Schloßallee, die Mariahilfer Straße, die Babenbergerstraße und die Ringstraße marschieren.   An der Spitze der Parade gehen die Heimwehrführer Ernst Rüdiger Starhemberg, Emil Fey und Richard Steidle, alle mit Stahlhelm und Ochsenziemer, gefolgt von Musikkapellen und den regionalen Abteilungen in Tracht oder Uniform.  Am Schwarzenbergplatz nehmen Regierungsvertreter, allen voran Bundeskanzler Engelbert Dollfuß, das Defilee ab. 

Das öffentliche Interesse an der Parade des Österreichischen Heimatschutzes, die als patriotische Veranstaltung trotz des geltenden Aufmarschverbots erlaubt wurde, ist groß. Am Straßenrand heben Herren den Hut, Damen schwenken Tücher. Es kommt aber auch zu Störversuchen politischer Gegner: Sozialdemokraten pfeifen und werfen Eier, Nationalsozialisten rufen "Heil Hitler!" und singen lauthals das Deutschlandlied

Die Polizei geht beritten gegen die Demonstrationen vor, setzt Schlagstöcke und Bajonette ein. Im Lauf des Tages werden 530 Personen verhaftet. 

Die Arbeiter-Zeitung fragte sich im Nachhinein, was hinter "dieser ganzen Begeisterung der bürgerlichen 'Demokraten' für die Sonntagsparade" stecke. Es handle sich, so das Zentralorgan der österreichischen Sozialdemokratie, um die "Gesinnung des jüdischen Bourgeois", der mit einem Faschismus ohne Antisemitismus gut leben könne: "Darum ist er gegen Hitler; gegen Starhemberg hat er nichts einzuwenden." 

Laut der Deutschösterreichischen Tages-Zeitung, dem nationalsozialistischen Parteiblatt, "bot der dreistündige Vorbeimarsch ein grauenhaftes Bild", das den Eindruck einer geschlagenen Armee hinterlassen habe.  Angenehm überrascht zeigte sich hingegen Die Stunde: Der Heimatschutz stelle nicht, wie erwartet, ein "menschgewordenes Trachtenmuseum" dar, sondern "eine der vitalen Kraftquellen des neuen österreichischen Geistes". Während tags zuvor "aufgeregte Jugend" den deutschen Nationalsozialisten zugejubelt habe, seien nun die "älteren Jahrgänge" aufmarschiert. "Der Sonntag demonstrierte gegen den Samstag", hieß es in dem Wiener Boulevardblatt. 

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13. Mai 1933 – 14:00
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